Migräne
 

Zehn Prozent der Bevölkerung leiden regelmäßig unter Migräne, dabei werden zwei Hauptformen unterschieden:

Migräne ohne Aura

Sie beginnt meist am frühen Morgen mit überwiegend halbseitigen, pulsierenden oder hämmernden Schmerzen im Bereich von Stirn, Schläfen, Hinterkopf oder Nacken. Die Anfälle können bis zu 72 Stunden dauern und Begleitsymptome wie Übelkeit, Erbrechen und Empfindlichkeit gegenüber Licht, Lärm und Gerüchen ausweisen. 30 Prozent der Betroffenen verspüren zwei Tage vor einer Attacke z.B. Hunger auf bestimmte Speisen, Müdigkeit, Reizbarkeit oder einen Drang zum Gähnen.

Migräne mit Aura

Dieser Form gehen neurologische Reizerscheinungen wie Sehstörungen mit Einengung des Gesichtsfeldes oder Flimmern sowie Sprechstörungen, Drehschwindel, einseitiges Taubheitsgefühl oder Schwäche voraus. Die Aura- Symptome dauern zwischen 30 und 60 Minuten, erst danach treten üblicherweise die Kopfschmerzen auf.

Was Sie selbst tun können

Versuchen Sie, sich zu entspannen und auszuruhen. Kühle Tücher oder Eisbeutel und ein dunkler, ruhiger Raum bewirken oft eine deutliche Linderung. Ist das nicht möglich oder reichen diese Maßnahmen nicht aus, sollte man nach Rücksprache mit dem Arzt auf eine medikamentöse Behandlung (z.B. rezeptfreie Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (500 bis 1000 mg), Paracetamol (500 bis 1000 mg) oder Ibuprofen (400 bis 600 mg) zurückgreifen.

Ärztlich verordnete Medikamente

Bei manchen Migräneattacken reichen die o.g. Schmerzmittel nicht aus oder werden wegen des oft vorhandenen Erbrechens nicht ins Blut aufgenommen. Ärzte können in diesen Fällen ein Mittel verschreiben, das 15 Minuten vor dem eigentlichen Schmerzmittel eingenommen wird und das Erbrechen verhindert (Antiemetikum). Ein häufig gegen den Migräneschmerz verordnetes Medikament ist das Ergotamin. Es wirkt jedoch nur zu Beginn der Migräne und kann Nebenwirkungen wie Durchblutungsstörungen und Schmerzmittelkopfschmerzen hervorrufen. Die sogenannten Triptane dagegen gehören zu den neueren Medikamenten und bilden derzeit die "Speerspitze" der Migränetherapie: Sie wirken zu jedem Zeitpunkt einer Migräneattacke, können aber in seltenen Fällen Nebenwirkungen z.B. für das Herz- Kreislaufsystem haben. Triptane sind nur bei rund fünf Prozent aller Betroffenen erforderlich.

Menstruelle Migräne

Eine Sonderform ist die menstruelle Migräne. Sie beginnt bei Frauen kurz vor oder mit Beginn der Menstruation und kann bis zu zwei Tage nach Ende der Periode anhalten; die Dauer schwankt zwischen ein und sieben Tagen. Hauptursache ist das Absinken des weiblichen Hormons Östrogen vor der Periode. Hier gelten die gleichen Grundsätze wie bei der Migräne mit und ohne Aura. Häufig sind aber nur Medikamente aus der Gruppe der Triptane wirksam.

Ergänzende Therapien bei Migräne

Eine Kombination von medikamentöser und nichtmedikamentöser Therapie erweist sich in vielen Fällen als besonders effektiv.

  • Entspannungstechniken: Die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Autogenes Training oder Yoga gelten als bewährte Techniken, die sich leicht erlernen und anwenden lassen. Streßbewältigungsmaßnahmen und Zeitmanagement sind sinnvolle Ergänzungen.
  • Biofeedback-Therapie: Die Betroffenen lernen mit Hilfe von kleinen technischen Maßnahmen, normalerweise nicht dem Willen zugängliche Körperfunktionen zu beeinflussen. Biofeedback wirkt nicht während eines Migräneanfalls.
  • Akupunktur: Zwar fehlen wissenschaftliche Beweise, doch die Heilkunst mit den Nadeln hat sich bei einigen Betroffenen als hilfreich erwiesen. Davon auszugehen, daß sich eine Migräne "wegnadeln" läßt, wäre jedoch überzogen.
  • Homöopathie: Auch die Wirksamkeit der Homöopathie wurde bislang nicht eindeutig nachgewiesen. Einige Betroffene haben damit jedoch ähnlich gute Erfahrungen gemacht wie mit der Akupunktur.
  • Physiotherapeutische Verfahren: Kneipp-Anwendungen oder Krankengymnastik etc. sind bei Migräne wenig sinnvoll; sie sind eher für andere Kopfschmerzformen geeignet.

Vorbeugen gegen Migräne

Häufige Migräneanfälle bergen neben der enormen körperlichen und seelischen Belastung die Gefahr einer Schmerzmittelabhängigkeit. Vorbeugende Medikamente wie Betarezeptorenblocker, Kalziumantagonisten oder die Acetylsalicylsäure (ASS) sind in diesen Fällen sinnvoll. Da diese Substanzen jedoch auch Nebenwirkungen haben können, dürfen sie nur eingenommen werden, wenn ein Arzt sie verordnet.

Von großer Bedeutung bei dem Bemühen, Migräneattacken zu reduzieren oder zu mildern, ist Eigeninitiative. Führen Sie z.B. einen Kopfschmerzkalender und identifizieren Sie damit die Auslöser Ihrer Migräne. Versuchen Sie außerdem, einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus einzuhalten, auch am Wochenende. Ein ausgeglichener Lebensstil und regelmäßige Essenszeiten können die Häufigkeit von Migräneattacken ebenfalls deutlich verringern.