Kommt ein Patient mit chronischen Nackenschmerzen zum Arzt, ist die Diagnose meist schnell gestellt. Halswirbelsäulen- oder kurz HWS-Syndrom lautet der Befund für den gequälten Patienten. Die meisten Betroffenen sind im Alter zwischen 20 und 55. Das HWS-Syndrom ist eine typische Krankheit von Berufstätigen. Bis vor einigen Jahren folgte auf die schnelle Diagnose häufig eine langwierige Therapie. Inzwischen gibt es Hoffnung für alle Patienten mit chronischen Nackenverspannungen, Hals- und Schulterschmerzen.
Das HWS-Syndrom wird in fünf Beschwerdebilder unterteilt, die zum Teil ganz unterschiedlich behandelt werden müssen. Um herauszufinden, wo die Schmerzen herrühren, verlässt sich der Arzt weniger auf Röntgenbilder als auf die Angaben des Patienten und auf sein Tastgefühl. Die Befragung des Patienten und die Tastuntersuchung liefern mir meist den Großteil der Diagnose. Die typischen Zeichen liefern auch dem Patienten erste Anhaltspunkte, die richtige Diagnose kann aber nur der Arzt stellen:
1. Überlastung der Halswirbelsäule
Typisches Zeichen: Bleibt der Kopf lange Zeit in einer Position, schmerzt der Nacken, oder die bereits bestehenden Beschwerden werden noch stärker. Der Schmerz strahlt in den Schultergürtel aus. Auffällig: Der Kopf wird oft ganz schief gehalten.
Tipp: Versuchen Sie, sich im Alltag aufrecht zu halten und machen Sie zwischendurch öfter mal Dehnübungen.
2. Muskelverhärtungen
Typisches Zeichen: Durch Druck auf bestimmte Punkte lässt sich der Schmerz auslösen. Der Patient kann den Kopf nicht längere Zeit in einer Position halten, ohne zu ermüden.
Tipp: Machen Sie so oft es geht zwischendurch Dehnungsübungen. Wärmeanwendungen und Entspannungsverfahren helfen langfristig.
3. Reizsymptomatik
Typisches Zeichen: Bestimmte Bewegungen sind nur unter Schmerzen möglich. Der Schmerz hält lange an und strahlt in die Schulter aus. Die Beschwerden treten auch nachts auf.
Tipp: Kurzfristig können vom Arzt verschriebene Schmerzmittel und Kühlkompressen aus der Apotheke akute Beschwerden lindern. Langfristige Hilfe: Lassen Sie sich vom Arzt spezielle Krankengymnastik verordnen.
4. Beweglichkeitsstörungen
Typisches Zeichen: Der Schmerz geht von den Wirbelgelenken aus. Verspannungen spielen eine untergeordnete Rolle. Die Beweglichkeit des Halses kann erhöht oder verringert sein. Es ist sogar möglich, dass der Hals in eine Richtung weiter gedreht werden kann als in die andere. Auch in diesem Fall hat der Patient oft Druckschmerzpunkte, die von Muskelverspannungen herrühren.
Tipp: Linderung durch Schmerzmittel, die der Arzt verordnen muss. Bei eingeschränkter Beweglichkeit hilft spezielle Krankengymnastik. Ist die Halswirbelsäule zu instabil oder ermöglicht sie zu viel Bewegungsspielraum kommt eine operative Korrektur in Betracht.
5. Nervenreizungen
Typisches Zeichen: Der Schmerz kann bis in den Arm ausstrahlen. Kraftverluste und Lähmungserscheinungen sind möglich. Veränderungen der Wirbelsäule führen dazu, dass Nerven gereizt oder gequetscht werden.
Tipp: Linderung durch vom Arzt verschriebene Schmerzmittel und ärztlich verordnete Krankengymnastik. Der Arzt entscheidet auch, ob spezielle Untersuchungen wie Computertomographie oder Kernspinaufnahmen der Halswirbelsäule nötig sind. In schwersten Fällen hilft nur eine Operation.