Die heilende Kraft der Seeluft
 


Bei "steifer Brise" richtig durchatmen, im Watt wandern, auf Dünen die Seele baumeln lassen

Sandstrand, Sonne und Meer. Das ist der Urlaubstraum von vielen. Wo sonst lässt sich so gut der Alltagsstress vergessen wie an der See? Wo kann man so gut neue Kraft tanken? An der Küste sei der Erholungseffekt besonders groß, sagen Klimatherapeuten. Das liege am maritimen Reizklima. Doch was ist das eigentlich und warum tut es dem Körper so gut? Mit wenigen Worten zu erklären, was "Reizklima" bedeutet, fällt selbst Experten schwer. "Eine einfache Definition dafür gibt es nämlich nicht und doch ist das Wort Reizklima ein feststehender Begriff geworden, weil jeder es empfindet, und zwar besonders ausgeprägt an der Nordsee. Wer vom Binnenland an die ständig von einer Brise umwehte Küste dieses Meeres komme, braucht drei bis vier Tage, um sich an das Klima zu gewöhnen. Man wird zunächst müde, fällt abends um acht schon ins Bett und kann sehr lange schlafen

Seeluft tut Haut und Lunge gut

Manche Personen empfinden in den ersten Urlaubstagen in der ungewohnt sauberen Luft und im frischen Seewind zwar bestehende Herzprobleme rein subjektiv etwas verstärkt. Auch Atem-Probleme könnten in den ersten Tagen der Klima Umstellung ein wenig ausgeprägter sein, Aber das kehrt sich rasch ins Gegenteil um: Der Blutdruck sinkt, die Lunge wird frei, Hautbeschwerden und Allergien bessern sich und die Abwehrkräfte nehmen zu.

Wie kommt es dazu? Das ist nicht an einem einzelnen Punkt festzumachen. Es ist ein Zusammenspiel vieler Einflüsse. Erst ihre Gesamtheit macht das gesunde Reizklima aus. Ein wesentlicher Faktor ist das Ozon in der Luft. Übers Jahr gesehen ist der Ozonwert an der Nordseeküste immer etwas höher als im Binnenland. Das hat nichts mit den sehr hohen Ozonwerten zu tun, die durch chemische Umbauprozesse aus Autoabgasen entstehen und bei empfindlichen Personen zu Problemen führen können. Im Gegenteil: Es ist ein Zeichen für reine Luft, wenn das Ozon alleine ohne weitere Luftschadstoffe erhöht ist. Deshalb sind früher die Tuberkulosekranken auch in Gebiete mit ozonhaltiger Luft geschickt worden, etwa in stark bewaldete Gegenden, in Höhenlagen oder eben an die See. Wenn man sich in ein, zwei Tagen daran gewöhnt hat, profitiert man von dem mit etwas Ozon angereicherten Klima. Vor allem bei Patienten mit der Hautkrankheit Neurodermitis tritt dadurch eine Besserung ein. Neurodermitiker und andere Allergiker empfinden es darüber hinaus auch als positiv, dass durch den von der See her wehenden Wind an der Küste die Menge allergieauslösender Pollen in der Luft im Vergleich zum Binnenland im Schnitt auf ein Zehntel vermindert ist.

Natürliche Stoffe gegen Keime

Der ständige Seewind tut noch aus weiteren Gründen gut. Er sorgt nicht nur für rosige Backen, sondern er enthält auch ein für Haut und Atemwege gesundes Aerosol aus fein verteilten, mikroskopisch kleinen Wassertröpfchen, Salzpartikeln, Spurenelementen wie Magnesium und vielen anderen Stoffen aus dem Meerwasser. Dazu gehören von Meeresorganismen gebildete natürliche Antibiotika, also keimhemmend wirksame Substanzen. Diese Stoffe sind wahrscheinlich die Ursache dafür, dass keine eiternden Wunden entstehen, wenn man sich im Salzwasser verletzt. Sind solche Antibiotika von den Mikroorganismen des Meeres in der Luft enthalten, hat das günstige Auswirkungen bei Lungenerkrankungen. Auch den stärkenden Effekt des Reizklimas auf das Immunsystem erklärt sich zumindest zum Teil mit den keimabwehrenden Substanzen in der Seeluft.

Sonnenlicht stärkt Abwehrkräfte

Aber nicht nur das: Zusätzlich stimuliert das Sonnenlicht die Abwehrkräfte. Es gibt statistische Erkenntnisse, nach denen, Personen, die kaum in die Sonne gingen, vermehrt Karzinome bekommen, etwa Brustkrebs, Der Schutz durch die Sonne ist damit zu erklären, dass sich unter Sonnenlicht die Vitamin D-Produktion im Körper erhöht. Dies hat immunologische Auswirkungen. So werden im Organismus Vorgänge ausgelöst, die deutlich gegen die Entwicklung von Karzinomen gerichtet sind. Die Sonne aus Furcht vor Hautkrebs völlig zu meiden ist also falsch. Ein Sonnenbrand sollte allerdings in jedem Fall vermieden werden.

Darüber hinaus trägt die Infrarotstrahlung des Sonnenlichts zu einer Normalisierung des Blutdrucks bei. Es wird immer wieder festgestellt, dass Patienten nach einiger Zeit weniger blutdrucksenkende Medikamente brauchen. Das ist allerdings nicht allein auf die Sonne zurückzuführen. Hinzu kommt, dass bei einem Klinik oder Kuraufenthalt oder auch bei einem Urlaub an der See der Alltagsstress vergessen wird, was sich bekanntlich ebenfalls günstig auf den Blutdruck auswirkt. Doch wie lange sollte der Urlaub in dem gesunden Meeresklima dauern, um wirklich rundum gestärkt, fit und erholt nach Hause zurückzukehren ? 14 Tage sollten es mindestens sein, raten Fachleute. Denn: Der Körper braucht erst: einmal etwa eine Woche, um sich, an das Reizklima zu gewöhnen. Optimal ist es aber, sich vier Wochen bei Spaziergängen in den Dünen, beim Strandburgenbauen, Wattwandern oder Faulenzen in der Sonne die frische und gesunde Seeluft um die Nase wehen zu lassen.

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