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Alternative Methoden in der Medizin erfreuen sich großer Beliebtheit. Viele Patienten bevorzugen Ärzte, die naturheilkundlich oder homöopathisch behandeln, oder gehen zu Heilpraktikern. Doch der Begeisterung für die Komplementärmedizin steht oft nur geringes Wissen gegenüber, welche Verfahren womit überhaupt gemeint sind.
Typische Irrtümer
Ein populärer Irrtum ist die Annahme, Alternativmedizin oder unkonventionelle Methoden seien grundsätzlich sanfter und damit ungefährlicher als die Schulmedizin. Oft mag das stimmen, keineswegs aber immer. Und eine Gefahr besteht bei allen Verfahren: Wer allzu sehr nur auf die Wirksamkeit seiner Lieblingstechnik vertraut, verpasst womöglich die Gelegenheit einer sicheren Heilung durch die klassische Schulmedizin. Zu warnen ist vor Dogmatikern, die sich im Besitz der einzigen Wahrheit wähnen und behaupten, nur mit ihrem Verfahren ließen sich alle Krankheiten der Welt kurieren.
Ein spektakulärer Fall dieser Art schockte vor wenigen Jahren die Öffentlichkeit, als die Eltern eines krebskranken Kindes die reguläre Behandlung verweigerten und erst ein Gerichtsentscheid das Kind in die Klinik zurückbrachte, wo es erfolgreich behandelt werden konnte. Verantwortungsvolle naturheilkundlich und alternativ orientierte Ärzte und Heilpraktiker kennen und beachten die Grenzen ihrer Fertigkeiten und lassen bedrohliche Befunde schulmedizinisch abklären, bevor sie mit unkonventionell arbeiten.
Gefährlich wird es, wenn Scharlatane und Geschäftemacher sich der Verfahren bemächtigen. So wurden in manchen Kräutermischungen der Traditionellen Chinesischen Medizin aus Großbritannien Schwermetalle und Gifte gefunden. Einigen angeblich rein pflanzlichen Salben war zur Steigerung der Wirksamkeit Cortison untergemischt.
Aber auch bei vermeintlich korrekter und sanfter Behandlung kann Ungemach drohen. Denn selbst beliebte Heilpflanzen können es in sich haben: Erst in den letzten Jahren stellten Pharmakologen Wechselwirkungen zwischen Produkten der pflanzlichen Medizin und chemisch synthetisierten Wirkstoffen fest.
Gehaltvolle Kräuter
Wer sich also selbst behandelt, womöglich ohne Rücksprache und Beratung mit Arzt oder Apotheker, riskiert, dass seine Medikamente stärker wirken als erwartet - oder überhaupt nicht. Das bedeutet keineswegs, dass von einer Phytotherapie generell abzuraten sei. Es gilt nur, sich der möglichen Wechselwirkungen bewusst zu sein und sie zu beachten. Andererseits verspürt mancher Kranke bei ergänzenden Behandlungsmethoden tatsächlich eine Besserung, die über den Effekt reiner Einbildung hinausgeht. Besonders chronische Erkrankungen, bei denen schulmedizinisch kaum Aussicht auf Heilung besteht, können so ergänzend therapiert werden. Ratsam ist allerdings, dass alle an der Heilung Beteiligten voneinander und von den angewandten Verfahren wissen.
Sinn und Unsinn trennen
Einige so genannte alternative Verfahren wie die Bach Blüten Therapie oder Reiki, die Heilung durch Handauflegen, entbehren jeglicher wissenschaftlicher Grundlage und, lassen sich mit anerkanntem medizinischen Fachverstand überhaupt nicht nachvollziehen. Man könnte sie als harmlos abtun wenn die Kranken dafür nur nicht so heftig zur Kasse gebeten würden. Als ähnlich umstritten gilt bei manchen Wissenschaftlern die Homöopathie, hierzu wurden aber wiederholt Untersuchungen vorgelegt, die ihre Wirksamkeit belegen.
Andere Heilmethoden wie die Traditionelle Chinesische Medizin und das indische Ayurveda sind uralte, auf Erfahrung beruhende Verfahren. Um sie richtig zu verstehen und anzuwenden, bedarf es zumindest einiger Basiskenntnisse der zugrunde liegenden Kultur. Dann jedoch vermögen sie die Medizin der abendländischen Tradition zu bereichern. So wenden heute manche Frauenärzte, Geburtshelfer und Schmerztherapeuten Akupunkturtechniken an, wenn es die Situation erfordert.
Kombination möglich
Die anthroposophische Medizin erfüllt noch am ehesten den Anspruch der ergänzenden Medizin. Ärzte dieser Richtung sind trotz ihrer alternativen Ausrichtung zumeist schulmedizinisch erfahren und scheuen sich auch nicht, je nach Krankheitsbild und Situation zwischen wissenschaftlichen und anderen Techniken zu wählen oder beide zugleich anzuwenden.
Verfahren wie Schröpfen, chiropraktisches Einrenken, Massagen, die Therapie mit Heilpflanzen oder Eigenblutbehandlungen gehören im engeren Sinne überhaupt nicht zu den unkonventionellen Methoden, denn sie waren ursprünglich schulmedizinische Verfahren. Die Ärzte wandten sich im Laufe der Zeit nur deshalb anderen Techniken zu, weil diese sich als wirkungsvoller erwiesen.
So betrachtet lässt sich keine klare Grenze zwischen der wissenschaftlichen Medizin und den Alternativen ziehen. Zumal jeder gute Arzt auch heute noch den Grundsatz beherzigt, keinem Patienten zu schaden, und daher immer nach der schonendsten Möglichkeit der Behandlung suchen wird unabhängig davon, wie sie sich nennt.
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