Medikamente reagieren nicht nur untereinander. Auch Nahrungsmittel können ihre Wirkung hemmen oder verstärken
Brigitte S. quälte eine böse Harnwegsinfektion. Sie hatte die ersten Sonnenstrahlen genossen und zu lange im Park auf der kalten Bank gesessen. Nun musste sie ein Antibiotikum einnehmen. Pünktlich jeden Morgen schluckte sie eine Tablette zum Frühstück. Mit Müsli und einer Extraportion Milch startete sie in den Tag. In ein paar Tagen wollte sie wieder fit sein. Allerdings: Ihre Beschwerden wurden nicht besser. Des Rätsels Lösung: Milch hebt die Wirkung bestimmter Antibiotika auf.
Dabei können die Wechselwirkungen zwischen Arznei- und Nahrungsmitteln sehr unterschiedlich sein. Das Medikament kann seine Wirkung entweder verlieren oder es kann genau die gegenteilige Wirkung eintreten und damit auch die Risiken und Nebenwirkungen, verstärkt werden. Auch das Ausmaß der ungewünschten Wirkung ist ganz unterschiedlich: Es reicht von vernachlässigbar bis hin zu lebensgefährlich. Was soll man also tun, wenn man Medikamente nimmt?
Oft reichen kleine Tricks...
... um auf der sicheren Seite zu sein. Dass man zum Beispiel Medikamente nicht mit Alkohol einnimmt, dürfte jedem geläufig sein. Ungünstig sind aber auch Kaffee und Milch. Sie können mit bestimmten Arzneistoffen Komplexe bilden und dadurch deren Wirkung beeinflußen. Grapefruitsaft kann den Effekt von Wirkstoffen verstärken. Deshalb gilt: Medikamente am besten immer mit einem Glas Wasser einnehmen und alle anderen Getränke erst zwei Stunden später. Nicht immer ist es jedoch damit getan, das Medikament und ein bestimmtes Nahrungsmittel einfach zeitversetzt zu nehmen. Auf zu viel Brokkoli, Kohl, Leber, Spinat und andere Lebensmittel, die Vitamin K enthalten, sollten Patienten, die Medikamente zur Blutverdünnung einnehmen müssen, verzichten.
Das in diesen Gemüsesorten enthaltene Vitamin K führt dazu, dass das Medikament nicht mehr ausreichend wirken kann und die Gefahr der Bildung von Blutgerinnseln (Thrombose) steigt. Gelegentlich eine Erbsensuppe zu essen schadet sicher nicht. Eine abrupte Änderung der Ernährung oder extreme Diäten, wie etwa Salatkuren sind dagegen strikt untersagt.
Auch wer bestimmte Medikamente gegen Depressionen einnimmt, so genannte Monoaminoxidasehemmer, sollte die Finger von bestimmten proteinreichen Lebensmitteln lassen. Dazu zählen Käse, Salami, Salzheringe, Sauerkraut und Rotwein. Vor allem wenn diese länger gelagert oder "überreif" sind, enthalten sie viel Tyramin. Dann kann es zu erhöhtem Blutdruck bis hin zu Hirnblutungen kommen. Da der Effekt bei den verschiedenen Arzneistoffen dieser Gruppe unterschiedlich stark ausgeprägt ist, empfiehlt es sich, den Beipackzettel besonders aufmerksam zu lesen.
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